Wallfahrts- und Klosterkirche Engelberg
Geschichte, Glaube und Kultur
Der Engelberg bei Großheubach blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Bereits in vorchristlicher Zeit galt der Berg – damals „Rulesberg“ genannt – als heidnische Kultstätte. Der „Hünenstein“ oder auch „Heunenschüssel“, ein großer Felsen mit Vertiefung, erinnert noch heute daran.
Um das Jahr 1300 wurde auf dem Berg eine kleine Kapelle aus Holz errichtet und dem Erzengel Michael geweiht. Michael galt als mächtiger Engel, ein Schutzpatron, der für das Gute kämpft. So bekam der „Rulesberg“ nach und nach einen neuen Namen: Engelberg. Wenige Jahre später, um 1310, kam eine Marienstatue hinzu, die schnell als wundertätig verehrt wurde und zur Entstehung einer lebendigen Wallfahrtstradition führte.
Mit dem zunehmenden Pilgerstrom berief der Mainzer Erzbischof Anselm Casimir Wambolt von Umstadt im Jahr 1630 die Kapuziner auf den Engelberg und ließ ein Kloster errichten, um die Pilger zu betreuen. Der Engelberg wurde zu einem wichtigen Wallfahrtsort. Trotz schwieriger Zeiten – Reformation, Dreißigjähriger Krieg, Hungersnot – blieb der Engelberg ein Ort des Trosts und der Hoffnung.
Nach der Säkularisation 1803 wurden die Kapuziner vertrieben. 1828 übernahmen auf Anordnung König Ludwigs I. Franziskaner der Bayerischen Franziskanerprovinz das Kloster und die Wallfahrtsseelsorge auf dem Engelberg. Im November 2024 verließen die Franziskaner den Ort. Seit 1. November 2024 betreuen Patres des Ordens der Oblaten des heiligen Joseph das Wallfahrtskloster.
Die Kirche, im Stil einer Bettelordenskirche ohne Querschiff, ist reich an spirituellen und künstlerischen Schätzen. In ihrem Inneren fällt die helle, neobarocke Ausstattung auf. Besonders eindrucksvoll sind die Marienkapelle mit dem Gnadenbild „Maria von der Freude“ aus dem 14. Jahrhundert, der Hochaltar von 1909 mit dem Erzengel Michael, der eine Seele in den Himmel führt, sowie zahlreiche Engelsszenen an Decke und Wänden. Seit 1845 befindet sich neben der Antoniuskapelle die Gruft der Fürstenfamilie Löwenstein-Wertheim-Rosenberg.
Ein besonderes Erlebnis ist der Aufstieg über die „Engelsstaffeln“ - 612 Stufen, begleitet von sechs Kapellen mit Passionsszenen, führen seit 1637 von Großheubach zum Kloster. Weitere spirituelle Orte rund um das Kloster sind die Maria-Hilf-Kapelle sowie der Franziskus-Garten mit Texten aus dem Sonnengesang des hl. Franziskus und einer Kapelle mit Opferkerzen.
Der Engelberg ist bis heute ein Ort des Glaubens, der Stille und der Begegnung – tief verwurzelt in der Geschichte, offen für Menschen von heute.